Warum Wut, Tränen und Chaos bei uns mit auf dem Sofa sitzen dürfen
- Familienbegleitung Goldfunke
- 14. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Feb.

Manchmal merke ich, wie schnell bestimmte Gefühle etwas in mir auslösen. Vor allem die, die herausfordernd sind. Wut. Traurigkeit. Angst. Zum Beispiel.
Nicht, weil sie falsch wären, sondern weil sie zuverlässig immer dann auftauchen, wenn man sie nicht gebrauchen kann.
Vielleicht liegt es auch daran, dass genau diese Gefühle gesellschaftlich keinen besonders guten Ruf haben. Sie gelten als schwierig, störend, unpraktisch, unhöflich, etc. So Gefühle, die man lieber auf später verschiebt. Oder noch besser: ganz vermeidet.
Hat bei Kindern bisher eher mäßig funktioniert.
Im Alltag geht dieses Wissen erstaunlich schnell verloren. Zwischen Frühstück, Schuhe suchen, Brotdose packen und der existenziellen Frage, warum heute ausgerechnet dieser Becher absolut untragbar ist, rutscht man trotzdem manchmal in alte Muster.
Und dann kommen sie, diese Sätze, die man selbst so gut kennt.
Nicht aus Bosheit. Eher aus Verzweiflung.
„Ist doch nicht so schlimm.“
„Alles gut.“
„Jetzt beruhig dich mal.“
Meistens in einem Tonfall, der schon verrät, wie sehr man selbst gerade hofft, dass es doch hilft.
Tut es natürlich nicht.
Neulich saß ich mit meinem Sohn auf dem Sofa und wir haben gemeinsam ein Buch angeschaut. Kein Plan, kein Vorhaben, kein pädagogisches Großprojekt. Das Buch lag da, er hatte Lust, also haben wir es aufgeschlagen.
Es war Das Farbenmonster.
Bei der Wut haben wir laut gebrüllt und mit den Füßen gestampft.
Bei der Freude gelacht, ein bisschen zu laut, ein bisschen zu wild.
Bei der Angst haben wir uns ganz klein gemacht und sind eng zusammengerückt.
Und bei der Ruhe … war mein Sohn kurz weg. Zu ruhig eben.
Aber nach einer kurzen Pause war er wieder da.
Am schönsten fand er dann das Ende.
Das Monster, das sagt:
Ich hab dich lieb, egal wie du dich gerade fühlst.
Und während wir da so saßen, mitten im ganz normalen Sofa-Chaos, ist mir klar geworden:
Allein das gemeinsame Anschauen reicht oft schon. Worte für etwas zu finden, das sich sonst nur groß und unkontrollierbar anfühlt. Ganz ohne Ziel. Einfach zusammen.
Gerade bei den, für uns herausfordernden Gefühlen merke ich, wie wichtig Orientierung ist.
Wenn mein Sohn wütend ist, weil wir losmüssen, darf diese Wut da sein. Und trotzdem gehen wir los.
Nicht immer leise. Nicht immer entspannt.
Ich bleibe ruhig, obwohl es laut wird.
Ich halte den Rahmen, auch wenn ich innerlich kurz schwanke.
Und ich trage mit, was mein Kind gerade noch nicht alleine halten kann.
Und manchmal merke ich dann auch: Diese Grenze ist gerade vor allem meine.
Meine Ungeduld.
Mein Zeitdruck.
Mein Wunsch, dass es „jetzt einfach klappt“.
Und dann ist es eben so, dass wir mit der Watschelente – so einem hölzernen Schiebetier am Stiel – zum Kindergarten laufen.
Langsam. Klackernd. Sehr sichtbar. 😄
Die Diskussion darüber wäre es einfach nicht wert.
Mein Sohn ist glücklich.
Und wir kommen trotzdem an.
Diese Momente erinnern mich daran, immer wieder hinzuschauen:
Warum setze ich gerade diese Grenze?
Ist sie wirklich notwendig?
Kann ich sie gut vertreten, oder darf ich meinem Kind hier gerade mehr Raum geben?
Grenzen sind wichtig.
Und manchmal ist es auch wichtig nicht immer stur seinem eigenen Plan nachzujagen.
Und dann gibt es diese anderen Momente. Die, in denen Gefühle so groß werden, dass nichts mehr sortiert werden kann. Da hilft kein Satz, kein Buch, kein guter Vorsatz.
Dann ist Begleiten genau das: bleiben.
Auch wenn alles in mir sagt, ich hätte es gern sofort ruhig.
Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie lange das noch dauert.
Ein Kind durch so einen Moment zu tragen heißt manchmal "einfach", selbst der ruhige Teil zu sein. Bis das innere Gewitter langsam weiterzieht.
Diese Momente machen den Alltag nicht plötzlich leicht.
Aber sie verändern, wie er sich anfühlt.
Vielleicht geht es gar nicht darum, Gefühle möglichst schnell loszuwerden.
Vielleicht geht es darum, ihnen kurz einen Platz auf dem Sofa zu geben und zu schauen, was passiert.
✨ Und du?
Wenn du merkst, dass dich die Gefühle deines Kindes oft überrollen: In meinen Begleitungen schauen wir genau auf diese Momente – ohne Druck, aber mit klarer Orientierung.
Herzlich,
Jessica




Kommentare