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"Ich wollte nie so eine Mama/ so ein Papa sein."

  • Familienbegleitung Goldfunke
  • 18. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Feb.


Über Fehler, Verantwortung und warum das manchmal verdammt weh tut.


Es ist 17:12 Uhr.

Du weißt das so genau, weil du auf die Uhr geschaut hast, als du gemerkt hast:


Jetzt kippt es.


Dein Baby ist müde.

Dein größeres Kind diskutierbereit.

Du hungrig.

Immerhin sind endlich die Nudeln fertig.


Dein Kind soll jetzt zum Essen kommen,

möchte aber noch spielen.


Du sagst ruhig, dass es jetzt Essen gibt.

Noch einmal ruhig.

Dann weniger ruhig.

Dann gar nicht mehr ruhig.


Und plötzlich hörst du dich Dinge sagen,

die du dir vor Jahren geschworen hast, niemals zu sagen.


Stille.


Später vielleicht ein schlechtes Gefühl. Oder keins. Oder ein ganz diffuses „Irgendwas war komisch“.

Und genau da beginnt das eigentliche Thema.

Nicht der Streit. Nicht der Tonfall. Sondern das Danach.



Woran merke ich überhaupt, dass ich gerade einen Fehler gemacht habe?


Und hier wird es spannend, weil wir alle unterschiedlich ticken.


Manche von uns merken es sofort. Die Gedanken rattern:

„Oh Gott, das war zu hart.“

„Jetzt habe ich alles kaputt gemacht.“

„Ich bin einfach nicht gut genug.“


Andere merken es erst später.

Oder eher körperlich.


Unruhe. Gereiztheit. Ein innerliches Wegdrücken.


Oder der Impuls zu sagen:

„So schlimm war das jetzt auch nicht.“

„Er/Sie provoziert mich ja.“

„Ich bin halt auch nur ein Mensch.“


Und weißt du was? Beides ist menschlich.


Ein Fehler ist nicht:


  • müde sein

  • genervt sein

  • eine Grenze setzen

  • nicht perfekt formulieren


Ein Fehler beginnt eher da, wo wir:


  • beschämen

  • Gefühle kleinmachen

  • Verantwortung verschieben

  • oder innerlich sagen: „Das liegt nur am Kind.“




Warum relativieren wir manchmal?


Relativieren fühlt sich erstmal weniger schmerzhaft an. Es schützt uns.

Denn ein Fehler bedeutet nicht nur:„Ich war gerade unfair.“

Sondern oft viel tiefer:„Ich bin nicht die Mutter/ der Vater, die/der ich sein will.“


Und das tut weh.


Wenn du selbst als Kind erlebt hast,

dass Fehler mit Scham verbunden waren,

dass Entschuldigungen selten waren,

dass Erwachsene immer recht hatten,


dann ist es heute unfassbar schwer zu sagen:


„Ich habe Mist gebaut.“


Weil dein inneres System denkt:„Gefahr. Beschämung. Liebesentzug.“

Also verteidigst du dich. Erklärst. Rechtfertigst. Spielst es runter.

Nicht, weil du kalt bist. Sondern weil du gelernt hast, dich so zu schützen.



Und was ist mit den Mamas und Papas, die sich innerlich zerreißen?


Die gibt es auch. Vielleicht gehörst du dazu.

Die, die nachts noch denken:

„Warum habe ich das so gesagt?“

„Das hätte ich besser wissen müssen.“

„Ich schade meinem Kind.“


Und dann wird aus einem Fehler ein Identitätsurteil.

Nicht mehr:„Das war nicht gut.“

Sondern:„Ich bin nicht gut.“


Das ist kein verantwortungsvoller Umgang. Das ist Selbstbestrafung.



Verantwortung übernehmen – was heißt das konkret?


Nicht: Stundenlang analysieren.

Nicht: Sich selbst abwerten.

Nicht: Sich rechtfertigen.


Sondern so etwas wie:


„Ich war gerade zu laut. Das war nicht fair. Ich war überfordert, aber das ist nicht deine Schuld.“

Kein Drama. Keine große Show. Nur Klarheit.

Und ja, manchmal braucht es mehr als einen Satz.


Manchmal braucht es Strategien:


Woran merke ich früher, dass ich kippe?

Was braucht mein Kind in solchen Momenten?

Was brauche ich?


Verantwortung heißt: Ich sehe meinen Anteil. Ohne mich zu zerlegen. Ohne mein Kind zu beschuldigen.



Der unangenehme Teil: Wenn uns das Verhalten unseres Kindes übertriggert


Kennst du das?

Dein Kind ist stur. Oder laut. Oder rechthaberisch.


Und es macht dich wütender, als die Situation eigentlich hergibt.

Manchmal liegt das daran, dass dein Kind gerade etwas zeigt, das du an dir selbst kennst und nicht leiden kannst.


Deine eigene Ungeduld.

Deine eigene Sturheit.

Dein eigenes „Ich habe recht“.


Und plötzlich geht es nicht mehr nur um Zahnpasta.

Sondern um alte Geschichten.


Das zu merken heißt nicht, dass du versagst. Es heißt, dass Entwicklung möglich ist.

Und das passiert nicht im Bilderbuch-Alltag. Sondern mitten im Chaos.



Und weißt du was?


Ich kenne all das.


Ja, ich mache Fehler.

Aber ich stehe heute nicht mehr da, wo ich einmal stand.


Was sich verändert hat, ist nicht, dass alles immer gelingt.

Was sich verändert hat, ist meine Haltung.


Auch in stressigen Momenten.

Auch wenn ich müde bin.

Auch wenn das Drumherum laut ist.


Ich weiß heute:

Hinter dem Verhalten meines Kindes steckt kein Angriff gegen mich.

Keine Absicht, mich zu provozieren.

Und vielleicht ist nicht mein Kind „schwierig“, sondern das Verhalten ist für mich in diesem Moment schwer auszuhalten.


Das ist ein Unterschied.

Denn wenn ich nicht gegen mein Kind kämpfe, kann ich anfangen zu verstehen.


Verhalten ist Kommunikation.

Manchmal unsortiert.

Manchmal laut.

Manchmal fordernd.


Aber es trägt eine Botschaft.

Und genau dieser Blick verändert alles.


Ich kenne das Relativieren. Ich kenne auch das schlechte Gewissen.

Aber ich bleibe dort nicht mehr stecken.


Ich habe gelernt, Verantwortung nicht als Selbstanklage zu verstehen, sondern als Gestaltungsmöglichkeit.


Nicht: „Ich bin falsch.“

Sondern: „Ich kann etwas verändern.“


Und das ist ein riesiger Unterschied.

Vielleicht ist das die ehrlichste Wahrheit:


Wir wollten nie so eine Mama sein.

Nie so ein Papa.


Und trotzdem passiert es. Manchmal.

Der Unterschied ist nicht, ob wir Fehler machen.

Sondern ob wir den Mut haben, stehen zu bleiben, statt wegzuschauen.


Ich will nicht perfekt sein.

Ich will klar sein.


Und ich will Verantwortung übernehmen.


Nicht aus Schuld.

Sondern weil ich möchte, dass mein Kind erlebt: Ich bleibe.


Und das darf ein Prozess sein.

Auch bei mir.


Wenn du bis hier gelesen hast: Welcher Satz hat dich am meisten getroffen?

Nur der eine. Mehr nicht.


 
 
 

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